Reschensee

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Der Reschensee im Sommer – mit der schönen Landschaft in Südtirol

Türkisgrüner Reschensee mit unrühmlicher Vergangenheit

Wenn wir heute am Reschensee entlang fahren, wandern oder einfach nur am Ufer stehen und über die Wasseroberfläche schauen, sehen wir einen Bergsee mit Wasser, das in der Sonne wunderbar türkisgrün schimmert. Im Winter legt sich eine Winterlandschaft aus Eis und Schnee über den Reschensee. So idyllisch der See auch wirken kann, so dreckig ist die Entstehung des Stausees. Es ist wohl eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte in Südtirol. Deswegen möchte wir hier einige Informationen darüber veröffentlichen. Natürlich dürfen aber wie gewohnt unsere Reiseblogger Tipps nicht zu kurz kommen. Nach unserem Urlaub am Reschensee stellen wir dir den größten See in Südtirol vor – und was sich alles lohnt. So bist du für deinen Ausflug bestens informiert.

GUT ZU WISSEN
Manchmal wird der Sylvensteinsee mit einem versunkenen Dorf samt Kirchturm in Verbindung gebracht. Das ist jedoch nicht richtig. Im Sylvensteinsee liegt zwar ein versunkenes Dorf, jedoch gibt es keinen Kirchturm. Als vor einigen Jahren der See für Reparaturarbeiten an der Staumauer abgelassen wurde, kamen nur noch einzelne Häuserreste zum Vorschein. Weit und breit kein Kirchturm.

Graun – das versunkene Dorf im Reschensee

Bevor der heutige Reschensee als Stausee entstand, waren an dieser Stelle drei natürliche Seen. Der ursprüngliche Reschensee war der Größte. Neben ihm gab es den Graunersee (auch Mittersee genannt) und den Haidersee (für seinen Fischreichtum bekannt). Rund um diese drei Seen im Vinschgau waren Wiesen und Äcker. Es war ein Hochplateau auf dem die Bauern mit ihrer Viehwirtschaft und dem Getreideanbau lebten. Sie hatten in den Orten Reschen und Graun ihre Höfe. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Südtirol im Jahre 1919 Italien zu. Bereits 1920 gab es die ersten Ansuchen, um die Errichtung von zusätzlichen Elektrizitätswerken. Es ging um die Nutzung des Wassers der Seen zur Erzeugung von Strom. Die Firma Montecatini aus Mailand plante den Bau eines Stausees samt Errichtung eines Staudamms am Reschen Hochplateau, um genügend Wasser für ein Wasserkraftwerk aufstauen zu können. Die Art und Weise wie die Genehmigung und der Bau des Stausees vonstatten gingen, spottet jeglicher Form von Gerechtigkeit. Das war nur durch die damalige italienische Diktatur möglich. Mit dem Bau des Stausees wurde der Wasserspiegel angehoben – mit den fatalen Folgen, dass die historischen Dörfer Reschen und Graun in den Fluten versanken.
–> versunkenes Dorf Reschensee

Der Reschensee heute

Aufgrund dieser Vergangenheit tun sich die ehemaligen Bewohner rund um den heutigen Reschensee sehr schwer, dem See etwas Positives abzugewinnen. Sie verbinden ihn eher mit dem Verlust der Vergangenheit, als mit den Chancen der Zukunft. Reisende mag das verblüffen. Sie staunen über die Schönheit des Sees, wenn sich die Sonne in den Wellen spiegelt. Uns ging es genauso, bis wir uns eingehender mit der Geschichte beschäftigt haben. Ändern können wir an dem damaligen Unrecht nichts. Deswegen möchten wir den nun den Blick auf das werfen, was heute am Reschensee schön ist. Durch die ungerechte Flutung entstand eine besondere Sehenswürdigkeit:

Der Kirchturm im See

Als der Stausee geflutet wurde, wurden die Häuser von Alt-Graun gesprengt. Auch die Kirche wurde zerstört. Der Kirchturm St. Katharina blieb jedoch stehen. Und so ist heute der Kirchturm im See ist die größte Sehenswürdigkeit am Reschensee und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Alpen. Nirgendwo sonst steht ein Kirchturm im See. Deswegen besuchen viele den außergewöhnlichen Reschensee Kirchturm. Zusätzlich stoppen zahlreichende Reisende an diesem besonderen Denkmal, weil es bei der Fahrt über den Reschenpass an der Strecke liegt. Hier alle Infos, wie du am besten dort hin kommst, wie es mit dem Parken ist und was du alles anschauen solltest. Interessant fanden wir auch, dass das gesamte Dorf in den Fluten versank, samt Kirche – aber der Kirchturm stehengeblieben ist. Warum? Du erfährst in diesem Beitrag auch, warum der Kirchturm damals nicht gesprengt wurde:
–> Kirchturm im See

Reschensee Seerunde

Rund um den Reschensee verläuft ein Weg. Er ist durchwegs für Wanderer und Radfahrer erschlossen. Auf rund 15 Kilometern kommst du einmal um den gesamten See herum. Der Weg ist größtenteils eben – am Ostufer komplett, am Westufer sind kleinere Steigungen zu bewältigen. Mit insgesamt rund 100 Höhenmeter hält sich die Anstrenung bei der Seeumrundung in Grenzen. Wenn du einmal hier bist, solltest du den Rundweg einplanen. Uns hat die Tour um den See in Südtirol extrem gut gefallen. Wir haben die Tour mit dem Fahrrad gemacht, gleich wie damals am Hallstätter See. So läßt sich unserer Meinung die Gegend am besten erkunden. Es gibt bei der Reschensee Rundtour viel zu sehen und die Landschaft der umgebenden Berge ist wunderbar zu anzuschauen. Wir würden diese Rundtour wieder mit dem Fahrrad fahren. Du kannst aber auch die Wanderung planen, je nachdem was dir besser liegt. Schau hier unsere Beschreibung und die Bilder:
–> Reschensee Rundweg

Mit Kite und Segel über´s Wasser

Die Windverhältnisse am Reschensee sind fabelhaft für Wassersport mit Segel. Angeblich soll es nirgendwo sonst in Südtirol so gute Windverhältnisse in Kombination mit einem See geben. Sogar europaweit nimmt die Kiteszene vom Reschensee Notiz. Das führte dazu, daß 2020 eine eigene Kitestation errichtet wurde. Wir haben sie bei unserer Rundtour um den See gesehen. Sie liegt auf einer Landzunge bei Graun. Am Festland finden die Trockenübungen der Kiteschulen statt, bevor es ins Wasser zum Kiten geht. Wenn du Kitesurfen lernen willst, hast du hier professionelle Vorraussetzungen.

Mit dem Boot auf dem Reschensee

So verlockend das Kitesurfen ausgesehen hat, so kühl war es bei unserem Reschensee Urlaub. Deshalb haben wir das Tretboot dem Kiteboard vorgezogen. Am Ufer in Reschen gibt es einen Tretbootverleih. Lass dich nicht beirren – wir waren anfangs etwas ratlos: Das Büro bei den Tretbooten ist nicht immer besetzt. Sollte gerade niemand da sein, einfach unter der dort angegebenen Nummer anrufen. Das haben wir auch gemacht. Für alle die mit dem Reschensee Schiff fahren möchten: Alternativ zu den Tretbooten zum Selbstfahren gibt es noch ein größeres Schiff, das mit Besatzung über den See fährt und Gäste befördert. Als wir dort gewesen sind, war gerade Niedrigwasser, weshalb die Schiffahrt ruhen mußte. Aber vielleicht geht es ja, wenn du hierher kommst.

Darf man im Reschensee schwimmen?

Ja, du darfst im Reschensee schwimmen. Jedoch ist das Badevergnügen nur für all jene zu empfehlen, denen kalte Wassertemperaturen beim Schwimmen nichts ausmachen. Die Reschensee Wassertemperatur bleibt selbst an heißen Sommertagen unter 20 Grad Celsius. Kiter berichten, dass sie im Sommer kaum 16 Grad gemessen haben. Sobald du dich ins kalte Wasser getraut hast, erlebst du ein besonderes Bergbad mit einmaligem Bergpanorama. Gelegenheiten ans Wasser zu kommen hast du rund um den See. Wir haben bei unserer Rundtour immer wieder mal ein nettes Plätzchen entdeckt, wo man direkt ans Wasser konnte. Das ist der riesige Vorteil des Reschensees – er ist nicht mit Häusern verbaut, wie das vielfach an den Seen in Oberbayern ist.

Reschensee ohne Wasser 2021

Im Jahr 2021 war der Reschensee ohne Wasser. Wegen Instandhaltungsarbeiten am Stausee mußte das Wasser weitgehend abgelassen werden. So kam das versunkene Dorf für einige Wochen ans Tageslicht. Zu sehen waren einige Mauerreste der alten Häuser, vereinzelte Stufen und Betontrümmer. Sie sind im Laufe der Jahre mit einer Schlammschicht überzogen worden, die das Wasser aus den Bergen in den See spült. Mittlerweile ist der See wieder geflutet. Der Wasserstand im See verändert sich übrigens öfter, wenn auch nicht so extrem wie 2021.. Über den Sommer hin wird im Regelfall das Wasser überdurchschnittlich gespeichert. Den Wasserhöchstand sieht man normalerweise im Herbst. Der Grund: In den Winterwochen wird der Strom am ehesten gebraucht und mit dem Wasser wird er gespeichert. Je mehr Wasser im Spätherbst im See ist, desto mehr Strom kann in den Wintermonaten im Kraftwerk beim Ablassen erzeugt werden.

Reschensee Sehenswürdigkeiten

Die Seen am Plateau sind die größten Reschensee Sehenswürdigkeiten. Den Kirchturm darfst du natürlich nicht verpassen. Außerdem empfehlen wir dir einen Blick in die Seitentäler. Davon waren wir überrascht, die Seitentäler hatten wir nicht mit dieser Schönheit auf den Schirm. Wir haben uns anfangs mehr auf den Reschensee an sich konzentriert. Dabei sind die Bergtäler traumhafte Naturparadiese: Das Rojental ist wunderbar zum Wandern. Uns hat das Langtauferer Tal außerordentlich gut gefallen. Es zieht sich vom See bis zum Gletscher. Die Besonderheit: Du kannst auf einer technisch relativ leichten Wanderung bis zum Gletscherabbruch spazieren. Mit etwas Glück gibt es dort eine Gletscherbrücke zu bestaunen. Lohnend ist in Reschen der Abstecher bei der Etschquelle. Dort findest du auch einen der Bunker. Der Bunker 20 ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Oberhalb vom Bunker 20 erreichst du weitere Bunker bei einer Wanderung zur Panzersperre Plamort. Schau dir dort unbedingt die Panzersperre an. Das ist einmalig. Außerdem haben wir auf dem Weg entlang des Reschenpasses weitere Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung entdeckt, wie zum Beispiel die Burg Altfinstermünz.

Die häufigsten Fragen

Woher kommt das Wasser im Reschensee?

Verschiedene Zuflüße speisen den Reschensee – die Etsch, der Rojenbach und der Karlinbach.

Wie hoch ist die Reschensee Wassertemperatur?

Das Wasser im Stausee wird nie richtig warm. Selbst in den Sommermonaten beträgt die Reschensee Wassertemperatur im Schnitt 16 Grad. Die geringe Wassertemperatur hat einen Vorteil: Im Winter gefriert der See regelmäßig. Sobald die Eisschicht dick genug ist, darf man Eislaufen und Snowkiten.

Wie tief ist der Reschensee?

Die maximale Tiefe beträgt 28 Meter.

Kann man um den Reschensee wandern?

Ja, es gibt einen kompletten Weg rund um den See. Er führt durchwegs am Wasser entlang. Stellenweise verläuft der Weg an der Straße, meist aber fern vom Verkehr.

Wieviel Strom wird mit dem Wasser vom Reschensee erzeugt?

Das Wasserkraftwerk in Glurns erzeugt mit dem Wasser aus dem Reschensee und Haidersee durchschnittlich 237 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Zum Vergleich: Der Schlegeisspeicher im Zillertal erzeugt jährlich 310 Millionen Kilowattstunden und das Kraftwerk bei den Kaprun Stauseen 300 Millionen Kilowattstunden. Wenn ein durchschnittlicher Haushalt 3500 Kilowattstunden Strom pro verbraucht, können rund 67.000 Haushalte mit dem Strom vom Reschensee versorgt werden.

Weiterführende Links

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